Beispiele für kapitalgeschützte Notes

Beispiele für kapitalgeschützte Notes

Eine kapitalgeschützte Note (Principal Protected Note, PPN) verspricht das einfachste Geschäft auf dem Markt strukturierter Produkte: das Geld bei Fälligkeit zurück plus einen Anteil am Aufwärtspotenzial, wenn der Basisindex steigt. Dieses Versprechen klingt leicht zu beurteilen – bis man ein Term Sheet öffnet und Partizipationsraten, Beobachtungstermine, Emittentengarantien und das Kleingedruckte hinter dem Wort «geschützt» zu vergleichen beginnt.
Am klarsten versteht man diese Instrumente anhand echter Produkte. Nachfolgend drei kapitalgeschützte Notes, die kürzlich mit vollständiger Monte-Carlo-Simulation evaluiert wurden – jede verlinkt zu einem vollständigen unabhängigen Bericht. Zusammen zeigen sie, wie sich dieselbe Grundstruktur sehr unterschiedlich justieren lässt – und wie die Trade-offs in Zahlen aussehen.
Skizze eines kleinen Baums, der aus Münzen unter einer schützenden Glasglocke wächst, als Sinnbild für geschütztes Wachstum

Was alle drei Notes gemeinsam haben

Alle drei sind marktgebundene Notes der Morgan Stanley Finance LLC, garantiert von Morgan Stanley & Co. International plc, in USD mit 1.000 USD Nennwert pro Note:
Es sind also die klassischen Vanilla-Versionen der PPN-Familie: eine Nullkuponanleihe plus eine Kaufoption, ohne exotische Zusätze. Sie unterscheiden sich im Basiswert, in der Laufzeit und – am interessantesten – in der Partizipationsrate.
  • Voller 100-%-Kapitalschutz bei Fälligkeit – die Zahlung bei Fälligkeit liegt nie unter dem Nennwert, egal wie tief der Basiswert fällt, selbst bis −100 %
  • Keine Barrier-, Knock-in- oder Kuponmerkmale – es gibt keinen Kurs, dessen Unterschreiten den Schutz aufhebt
  • Keine Kupons und kein Autocall – die Notes zahlen unterwegs nichts und werden immer bis zur Fälligkeit gehalten
  • Unbegrenzte Aufwärtspartizipation – steigt der Basiswert, zahlt die Note Nennwert plus Partizipationsrate mal Gewinn, ohne Obergrenze für den Gewinn
  • Eine einzige Beobachtung bei Fälligkeit – die Auszahlung hängt allein davon ab, wo der Basiswert am Ende der Laufzeit schliesst

Beispiel 1: EURO STOXX 50 Market-Linked Notes, fällig Juni 2031

Diese 5-jährige Note (CUSIP 61781FT45) ist auf den EURO STOXX 50® Index gelinkt und bietet diversifizierte Exposure auf Europas grösste Unternehmen mit 115,25 % Partizipation an Indexgewinnen über die Laufzeit (der endgültige Satz wird bei Emission innerhalb einer Spanne von 115,25 %–125,25 % festgelegt). Schliesst der Index unter seinem Startniveau, erhalten Anleger 100 % des Kapitals zurück.
Die Monte-Carlo-Simulation mit 10.000 Pfaden projiziert:
  • Erwartete annualisierte Rendite: 10,29 % (erwartete Totalrendite über 5 Jahre: 71,66 %)
  • Wahrscheinlichkeit einer negativen Rendite: 0,00 % – der Kapitalboden hält in jedem simulierten Szenario
  • 99-%-VaR über 1 Jahr: 0,00 % – kein simulierter linker Ausläufer unter dem Boden
  • 49,04 % Chance, eine annualisierte Rendite von über 10 % zu übertreffen – erhebliches Aufwärtspotenzial, nicht nur ein Anleiheersatz

Beispiel 2: S&P-500-Futures-Notes, fällig Juni 2031 – 130,5 % Partizipation

Ebenfalls eine 5-jährige Note, jedoch gelinkt auf den S&P 500 Futures Excess Return Index (SPXFP) und mit deutlich höherer Partizipationsrate von 130,5 % (festgelegt innerhalb einer Spanne von 130,5 %–134,5 %; CUSIP 61781FKZ5). Jedes Prozent Indexgewinn übersetzt sich in rund 1,3 % Aufwärtspotenzial für den Noteninhaber.
Die Simulation zeigt, warum höhere Partizipation zählt:
Das ist das Auffällige an einer gut bepreisten PPN: Die Simulation projiziert sowohl eine höhere erwartete Rendite als auch eine kleinere Verlustwahrscheinlichkeit als der rohe Index – die Optionsstruktur und der Nullkupon-Boden arbeiten zusammen. Der Haken: Diese Outperformance hängt von den Marktannahmen des Modells ab, und der Kapitalboden gilt nur bei Fälligkeit.
  • Erwartete annualisierte Rendite: 11,15 % gegenüber 9,41 % beim direkten Halten des Basisindex
  • Erwartete 5-Jahres-Totalrendite: 78,26 % gegenüber 57,25 % beim Basiswert
  • Wahrscheinlichkeit einer negativen Rendite: 0,00 % gegenüber 11,56 % beim Basiswert
  • 99-%-VaR: 0,00 % gegenüber −9,99 % beim Basiswert

Beispiel 3: S&P-500-Futures-Notes, fällig Juni 2030 – die kürzere Variante

Die dritte Note (CUSIP 61781FT52) ist auf denselben S&P-500-Futures-Index gelinkt, läuft aber nur 4 Jahre, bis Juni 2030 – ein Jahr früher als die anderen beiden. Ihre Partizipationsrate beträgt 106,5 % (Spanne 106,5 %–111,5 %), die niedrigste der drei.
Die kürzere Laufzeit verändert das Risiko-Rendite-Profil:
  • Erwartete annualisierte Rendite: 9,82 % gegenüber 9,47 % beim Basiswert
  • Erwartete 4-Jahres-Totalrendite: 49,46 % gegenüber 47,46 % beim Basiswert
  • Wahrscheinlichkeit einer negativen Rendite: 0,00 % gegenüber 13,37 % beim Basiswert
  • 99-%-VaR: 0,00 % gegenüber −12,80 % beim Basiswert
  • Erwartete annualisierte Volatilität: 7,37 % gegenüber 8,49 % beim Basiswert – der Boden kürzt sowohl die Ausläufer als auch die Volatilität

Was der Vergleich der drei offenlegt

Nebeneinander gestellt zeigen die Notes die wichtigsten Stellhebel der PPN-Struktur:
  • Partizipation ist Entschädigung für Zeit. Die 4-jährige Note bietet 106,5 % Partizipation, die 5-jährigen 115,25 % und 130,5 %. Längere Kapitalbindung erlaubt dem Emittenten den Kauf einer grösseren Option – ein Teil dieser Ersparnis wird als höhere Partizipation weitergegeben.
  • Gleicher Schutz, sehr unterschiedliche erwartete Ergebnisse. Alle drei tragen dieselbe Verlustwahrscheinlichkeit von 0,00 %, doch die erwarteten annualisierten Renditen reichen von 9,82 % bis 11,15 %. Die Schutzhöhe allein sagt nichts über das Renditeprofil aus – Partizipationsrate und Laufzeit leisten die Arbeit.
  • Der Basiswert zählt so viel wie die Struktur. Die beiden SPXFP-Notes unterscheiden sich in der Laufzeit; die EURO-STOXX-50-Note ergänzt eine andere Region. Basiswerte zu vergleichen ist Teil des PPN-Vergleichs.
  • Gegenüber dem Index ist der Boden viel wert. In jeder Simulation zeigen die Notes 0 % Verlustwahrscheinlichkeit, während das direkte Halten des Index über dieselben Horizonte 11–13 % Verlustwahrscheinlichkeit zeigt. Dieser Unterschied ist das Produkt, das man kauft.

Das Kleingedruckte: Was «kapitalgeschützt» nicht bedeutet

Die Evaluationen machen die Grenzen des Schutzes ebenfalls explizit:
  • Der Schutz gilt nur bei Fälligkeit. Zwischenbewertungen dieser Notes können unter Par fallen – ein vorzeitiger Verkauf kann trotzdem Geld verlieren. In allen drei Fällen spiegelt der 0-%-VaR das Halten bis zum Endtermin wider, keine Garantie auf dem Weg dorthin.
  • Der Schutz ist nur so stark wie der Emittent. Das Versprechen ist eine unbesicherte Verbindlichkeit der Morgan Stanley Finance LLC, garantiert von Morgan Stanley. Im Defaultfall sind Noteninhaber Senior-Gläubiger, keine Einleger.
  • «Kein Abwärtsrisiko» ignoriert Inflation und Opportunitätskosten. 100 % des Kapitals nach 4–5 Jahren zurückzuerhalten ist bei steigenden Preisen eine negative Realrendite; der Schutz ist nominal, keine Kaufkraft.
  • Erwartete Renditen sind Modellergebnisse. Die erwarteten annualisierten Renditen von 10–11 % setzen voraus, dass das Marktmodell der Simulation zutrifft. Es handelt sich um wahrscheinlichkeitsgewichtete Projektionen, nicht um Zusagen – genau deshalb zählt die unabhängige Evaluation.

Das Fazit

Diese drei Notes zeigen das PPN-Versprechen in seiner reinsten Form: ein harter Boden bei Par, unbegrenzte Partizipation darüber und dazwischen nichts zu überwachen. Die Zahlen deuten auf ein attraktives Risiko-Profil – aber nur, wenn man bis zur Fälligkeit hält, dem Emittenten vertraut und akzeptiert, dass die erwartete Rendite eine Schätzung ist, keine Vertragsklausel.
Eigenes Term Sheet evaluieren → Laden Sie ein beliebiges Term Sheet hoch und erhalten Sie eine unabhängige Monte-Carlo-Evaluation – dieselbe Analyse, die hinter den drei verlinkten Berichten steht.